Gesund im Beruf -
Lebensqualität und Leistungsfähigkeit


02.08.2008
Vom 23.-27.Juli fand bereits zum 7. Mal der Sommerkurs des Landesinstitutes für Lehrerweiterbildung Sachsen-Abhalt (LISA) zum Thema Lehrergesundheit/Stressbewältigung mit Dr. Ute Karnahl statt. Der Kurs war, wie jedes Jahr weit überbucht, so daß die Teilnehmer per Losverfahren ausgewählt werden mußten. Im Mittelpunkt standen Bewegungs- und Entspannungsübungen nach der Feldenkrais-Methode, kombiniert mit Gesprächsrunden zur Reflexion und theoretischer Wissensvermittlung. Am Ende berichteten die Teilnehmer über deutlich besseres Befinden und klare Ziele zum besseren Umgang mit Stress und beruflichen Belastungen.
Landesinstitut für Lehrerweiterbildung Sachsen-Anhalt LISA und Dr. U. Karnahl,
Stressbewältigungs-Training für Lehrer
Seit 2002 fand jährlich am Beginn der Sommerferien ein 5-tägiges Stressbewältigungstraining für Lehrer statt.
Der Kurs stieß von Beginn an auf großes Interesse. Er war stets mit über 80 Anmeldungen auf 20 verfügbare Plätze überbucht.Das verdeutlicht die akute Problematik unter Lehrern, aber auch die Bereitschaft zu eigener Aktivität. Dieses Training zur besseren Stressbewältigung wurde inzwischen erfolgreich an mehreren Schulen Sachsen-Anhalts für die Kollegien durchgeführt und weiter ausgebaut. Der Bedarf ist steigend.
Am Kursbeginn füllten die Teilnehmer detaillierte Fragebögen aus, mit deren Hilfe ermittelt wurde, ob sie durch ihre Verhaltensweisen ein erhöhtes Risiko tragen, an Stress krank zu werden. Nach diesem test lassen sich 2 Hauptrisikotypen unterscheiden:
Typ A: reagiert auf Anforderungen offensiv, jedoch mit überhöhtem Engagement, ausgeprägter Verausgabungsbereitschaft, Perfektionsstreben sowie sehr niedriger Distanzierungsfähigkeit. Gleichzeitig sind die eigene innere Ruhe und Ausgeglichenheit sowie die persönliche Lebenszufriedenheit niedrig ausgeprägt. Offensiv-Typ
Typ B: reagiert auf Anforderungen eher defensiv, mit vermindertem Engagement, aber dennoch geringer Distanzierungsfähigkeit, einer hohen Resignationstendenz und geringer Fähigkeit zur offensiven Problembewältigung. Gleichzeitig sind die eigene innere Ruhe und Ausgeglichenheit sowie die persönliche Lebenszufriedenheit niedrig ausgeprägt. Rückzugs-Typ.
Der Kurs umfaßt erstmals neben den konventionellen kognitiven Inhalten (Analyse von Stressoren, kurzfristige, langfristige Reaktionen, Entspannungsmöglichkeiten...) den Einsatz der Feldenkrais-Methode. Sie ist ein anerkanntes körperverhaltenstherapeutisches Verfahren zum Bewusstmachen und Verändern individueller Verhaltensstrategien im Umgang mit Streß und Anforderungen.
In den Bewegungslektionen nach der FKM wurden die Teilnehmer gebeten, Bewegungen auszuprobieren (siehe Wirkkonzept). Dabei stieg der Anspruch in den Lektionen hinsichtlich Komplexität und Bewegungsvielfalt allmählich an, so dass die Teilnehmer zunehmend mit ihren eigenen Verhaltensstrategien auf Anforderungen und Aufgaben zur Problemlösung konfrontiert wurden.
Diese Verhaltensstrategien reichten u.a. von spielerisch-neugierigem Erkunden von Lösungsmöglichkeiten, offensiv-angestrengtem Probieren mit zu viel Anspannung sogar trotz Schmerz, von zu schnellem Sich –selbst-überfahren, von Zähne zusammenbeißen und Atem anhalten über die Orientierung an Nachbarn bis zum defensiven Aufgeben in der Situation. Solche stressauslösenden Verhaltensweisen wurden vom Fk-Lehrer bewusst gemacht und durch gesündere Lösungsvorschläge variiert. Gleichzeitig konnten zunehmend von den Teilnehmern die ursächlich diesem Verhalten zugrundeliegenden inneren Einstellungen und Sätze erlebt und wahrgenommen werden.Das Spektrum reichte von „das muß doch zu schaffen sein“, “Stell dich nicht so an, die anderen können es doch auch“, “Zähne zusammen beißen und durch“, „Wenn ich mich nur genug anstrenge“ bis „Das schaffe ich nie“, „das kann ich nicht“, „nie gelingt mir was“. Über diese Einstellungen wurde anschließend im Gruppengespräch reflektiert und mögliche Alternativen besprochen. Die Lernmethodik nach Feldenkrais basiert auf dem systematischen Lernen gesünderer Verhaltenseinstellungen. Die Bewegungen dienen in diesem Fall als Mittel zum Zweck, gesünderes Problemlösungsverhalten zu lernen. Denn Lernen ist gesünder als Patient zu sein. Dadurch war es den Teilnehmern möglich eindrücklich zu erkennen, in wieweit sie sich ihren eigenen Stress machen. Sie konnten lernen, ihren Umgang mit Anforderungen gesünder zu gestalten und somit ihre Gesundheit und Lebenszufriedenheit stärker selbst zu gestalten. Gleichzeitig hat sich durch die Bewegungen in den Feldenkrais-Lektionen ihre Entspannungsfähigkeit entwickelt, ist ihre Beweglichkeit gestiegen, haben sich Anspannung und Schmerzen verringert.
Kursauswertung 2004: Fr. Dr. Braun, zuständige Dezernentin vom LISA, Auszüge: Die Aussagen von Teilnehmern betonen im wesentlichen: „Ankommen bei mir selbst“, „das Erleben des eigentlich ganz natürlichen Rechts, sich für sich selbst Zeit zu nehmen, Ruhe zu finden und zu genießen. Aus neu gewonnener Beweglichkeit auch Freude und (wieder) Ermutigung für eigene Aktivitäten zu spüren“, „Ich erhielt durch die Feldenkraisübungen bei Frau Dr. Karnahl zum ersten Mal die Chance, auf mich und meinen Körper zu hören, das war mir verloren gegangen“, “Ich habe viele Bewegungen wieder erlernt, kann mich besser bewegen und konzentrieren, im Alltag werde ich aktiver weitermachen“, „ich habe viel über mich selbst erfahren“, „Ich habe eine Faszination erlebt mit Feldenkrais: Jahrelange Rückenprobleme sind wie weggeblasen“, „Es war Zeit zur Selbstreflexion, zur Arbeit an mir selbst“, „Ich gewann Einsichten darüber, wie ich besser für mich sorgen kann, mir Freiräume schaffe“.
Kursauswertung 2005: Erstmals wurde 2005 drei Monate nach Kursende die gleiche Befragung wie am Kursbeginn durchgeführt. Die Nachbefragung erbrachte folgende Ergebnisse: Am Kursbeginn zeigten von 20 Teilnehmern 42% das Typ-A Risikomuster, 33% das Typ-B Muster, in der Nachbefragung lagen 8% Typ-A und 25% Typ-B vor. Deutliche Veränderungen ließen sich zeigen als Steigerung der Widerstandressourcen der Teilnehmer: höhere Distanzierungsfähigkeit von Arbeitsstress, Angleich von Über-Engagement zu durchschnittlicher Verausgabungsbereitschaft, bessere emotionale Befindlichkeit, geringere Rückzugstendenz, höheres Erfolgserleben, gestiegene soziale Unterstützung.